Schattenschwinge

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Schattenschwinge

Ich habe mich schon früh von meiner Familie distanziert, nicht weil ich mich nicht geliebt fühlte oder gar schlecht behandelt worden wäre,ganz im Gegenteil, sondern wegen der doch eher speziellen Lebensanschauung, die zwangsläufig entsteht wenn alle Frauen Schamanen sind und dem Pfad der Ratte folgen. Dieses ewige Davonlaufen und sich in den dunkelsten Winkeln verstecken, noch viel ausgeprägter als der unter Runnern übliche Verfolgungswahn (oder auch kein Wahn je nachdem wie der letzte Auftrag verlaufen ist…), sorgte dafür dass ich nie lange genug an einem Ort verweilen konnte um mich in der lokalen Hierarchie in eine angemessene Position zu drängen. Zum anderen stand auch Ratte selbst meinen Vorhaben mit ihren Ängsten im Weg: zwar gelang es mir mich beinahe überall einzuschleichen, doch sobald es dann spannend oder auch nur ansatzweise bedrohlich wurde, flüsterte mir Ratte piepsende Stimme ins Ohr, dass wir fliehen müssten und zwang mich so regelmäßig zu sinnlosen, unnötigen Rückzügen. Daher wundert es mich auch kein Bisschen, dass es meiner Großmutter gelang ohne Verluste in ein geheimes Labor unter der Bank of England einzubrechen und trotzdem alles was sie mit in die ADL brachte ein verdammtes Taschenmesser war. Doch wollte (und will noch immer) mich aus dem Dreck, durch den Ratte -und somit auch meine Familie – kriecht und von dem sie sich ernährt, erheben und mein Leben auf die Weise leben, die mir zusteht. Ich bin schließlich nicht nur Fomori, sondern auch erwacht und verfüge somit über nicht zu verachtende Stärke, wie soll es da mein Schicksal sein von einem verdammten Drecksloch ins nächste, wahrscheinlich noch schlimmere, zu huschen und mitunter sogar auf der Straße zu leben. Doch dann kam Rabe um mich von Rattes erdrückendem Einfluss zu befreien. Es begann als ich ungefähr vierzehn war: Eines Tage erspähte ich aus den Augenwinkeln einen mich verfolgenden Schatten am Himmel, doch immer wenn ich mich umdrehte war weit und breit weder Flugdrohne noch Vogel noch sonst was zu sehen, also schob ich diese Wahrnehmungen erst einmal auf die mir anerzogene Paranoia, genauso wie ich die immer wieder kehrenden Träume in denen ich hoch über den Mietskasernen des Megaplexes dahinflog(dabei hätte mir als angehende Wicca doch bewusst sein sollen, dass Träume keineswegs so bedeutungslos sind wie sie manchmal erscheinen). Ein halbes Jahr nachdem ich den fliegenden Schatten zum erstem Mal wahrgenommen hatte,fiel mir auf, dass die hysterisch-ver… Stimme des familiären Schutzgeistes immer seltener zu mir sprach, doch die besonderen Talente welche Ratte ihren Anhängern gewährt zurückgreifen.

Doch da ich mich auch nur noch in Notfällen an Ratte wandte und mit der für die Pubertät typischen Respektlosigkeit an mein Totemtier dachte, versiegten auch diese langsam. Nachdem wir wiedereinmal eine Wohnung fluchtartig verlassen und aus Ermangelung eines geeigneteren Unterschlupfs in einem Eingang der Kanalisation übernachtet hatten, erkrankte nicht nur wie üblich mein Vater, ein Kampfkünstler mit japanischen Wurzeln (jedenfalls behaupten meine Eltern das; ok, mit der Nähe zu bzw. in dem Yakuzagebiet nicht ganz unwahrscheinlich, aber ein Ruf als japanischer Meister ist auch dann ein guter Schutz wenn er erstunken und erlogen ist, nicht wahr?), sondern auch ich, die ich nicht mehr unter dem Schutz Rattes stand. In meinem ganzen Leben ging es mir noch nicht einmal so schlecht; und mit schlecht meine ich richtig übel.
In der Nacht meines fünfzehnten Geburtstags lag ich mit etwa 39 °C Fieber im Bett, als ich plötzlich eine krächzende Stimme vernahm, welche meinen Namen rief. Und obwohl der Ruf scheinbar von überall und nirgendwo zu erschallen schien, konnte ich dennoch ihren Ursprung im Astralraum ausmachen. Dort auf der anderen Ebene schwebte ein Vogel im nachtschwarz-glänzendem Gefieder vor mir. Die Eleganz aber vor allem die Macht der Erscheinung trieb mir einen Schauder der Ehrfurcht über den Rücken. Dann sprach Rabe zu mir und erzählte mir von all dem Möglichkeiten, die er mir geben könnte wenn ich mich endgültig von Ratte lossagen würde. Dank meiner schon bestehenden Abneigung Ratte gegenüber brauchte es nicht viele Worte um mich zu überzeugen.
Ich genas. Im gleichen Maße wie ich mich Rabe zu wandte, wandte sich meine Familie von mir ab. Der einzige mit dem ich noch sprechen konnte war mein Vater, der mir den Umgang mit den Shuriken beibrachte. Lang hielt ich es zu Hause aber nicht mehr aus. Als der nächste Umzug anstand, diese Flucht wurde durch einen seltsamen Geruch verursacht der Ratte beunruhigte auch wenn ich hätte schwören können, dass der von der Soy-Cola herrührte, die meine Kleine Schwester hinter dem Sofa verschüttel hatte. Ich packte also meine Sachen wie alle anderen, doch als sie die U-Bahn in Richtung Essen bestiegen, setzte ich mich ab, kehrte in die Wohnung zurück(den Schlüssel hatte ich in meine Tasche statt in den Briefkasten gesteckt) und nahm mir das Geld, welches meine Mutter als Miete auf dem Küchentisch zurückgelassen hatte.

So machte ich mich auf in ein neues Leben. Um nicht so schnell wiedergefunden zu werden verließ ich Essen und fuhr nach Mülheim. Gerade als ich dachte mein altes Leben hinter mich gebracht zu haben, traf ich eine alte Bekannte: Laura-Theresa Müller-Wieseling eine Mitschülerin aus einer Art Straßenschule (von einem ehemaligen Lohnsklaven, der Spaß am Lehrer-sein gefunden hatte, jedoch kurz darauf verschwand nachdem er in einer Stunde einige sehr hässliche Worte und peinliche Geschichten über Saeder-Krupp fallen gelassen hatte), die zwar nicht erwacht, aber dennoch eine ausgezeichnete Talismongerin und Spruchdesignerin war und aus welchen Gründen auch immer stets von einem freien Stadtgeist begleitet wurde, der in Form eines Plüschtiers materialisierte, welches an eine gelbe Maus mit Eselsohren erinnerte.

Obwohl ich versuchte mich an ihnen vorbei zu schleichen, wurde ich im letzten Moment von dem Geist erspäht. Zu meinem Glück muss man sagen, den Laura-Theresa hatte sich entschlossen sich auch an die Herstellung von Foki, insbesondere Waffenfoki, zu wagen, bereits die wichtigsten Komponenten irgendwo aufgetrieben und war jetzt nur noch auf der Suche nach einem erwachten „Opfer“ mit dem sie die Herstellung beginnen konnte. Lange Rede, kurzer Sinn, ich ließ mich auf ihr Angebot ein und mit ihrer und Rabes Hilfe erstellte ich einen ganz passablen Waffenfokus aus einem Shuriken meines Vaters, Lauras magischen Zutaten und einigen Federn Rabes. Die Kosten…nun weder von meinen Ersparnissen noch von der mitgenommenen Miete blieb auch nur ein einiger Nuyen übrig, obwohl Laura sehr großzügig mit dem Preis gewesen war…
Trotzdem zog ich nach der Fertigstellung des Fokus los, natürlich nicht ohne Komlinknummern ausgetauscht zu haben (meiner war eine Sachspende von einem Kerl der eine Schießerei nicht überlebt hatte, das Gleiche gilt auch für den RFID-Löscher, ein praktisches, kleines Ding).
Da ich in Styrum nicht gerade auf der Straße leben wollte und kein Geld für eine Unterkunft hatte, stieg ich in dem Bus um in einen anderen Stadtteil zu fahren. Am Hauptbahnhof wurde ich von zwei Securitymännern aufgehalten, die mich aufforderten vor Betreten des Forums meine SIN überprüfen zu lassen. Also drehte ich schnell um und sprang in die nächst beste U-Bahn ohne auf die Endstation zu achten. Dösend saß ich in der Bahn als mich eine Durchsage aufschrecken ließ: die U-Bahn hatte einen technischen Defekt, weshalb alle Fahrgäste aussteigen mussten. Ein Blick auf das Haltestellenschild verriet mir dass ich mich in Eichbaum und somit in Heißen gelandet war. Nicht schlecht, diese Gegend galt offiziell als relativ sicher, dennoch würde ich hier bestimmt nicht auffallen.
Doch schon am ersten Abend im Kobbenskampwohnblock hatte ich eine unangenehme Begegnung: irgend so ein ekliger Typ meinte mir hinterher pfeifen zu müssen und dann versuchte er auch noch mich in eine Hauseingang zu scheuchen. Ich griff kurzer Hand ein Shuriken und schleuderte es ihm entgegen. Aus Nervosität hatte ich den Abwurfwinkel falsch gewählt, dennoch brauchte ich ihm eine Wund am Bauch bei, wenn auch keine tödliche. Das reichte aber auch schon denn als der Kerl das Blut auf seinen Shirt sah wurde er sofort ohnmächtig, Weichei… Eigentlich hätte das als Lehre reichen sollten, doch ich hatte schlechte Laune und beschloss deshalb bleibende Erinnerungen zu hinterlassen also schnitt ich ihm fein säuberlich beide Ohren ab. Erst danach bemerkte ich das ich beobachte worden war: ein dürrer Mann nicht zu erkennenden Alters lehnte an einer Hauswand und klatschte leise Beifall. „Eigentlich sorgen hier die Bloody Eyes für Ruhe, aber du bist ein Naturtalent, wenn es dir nichts ausmacht so etwas zu wiederholen kann ich dir einen Job anbieten.“ Er stellte sich mir als Doc Morris vor und grinste als ob er ein Lachen meinerseits erwarten würde. Als ich ihn nur verständnislos anstarrte erklärte er mir das Doc Morris eine Onlineapotheke war welche beim Crash 2.0 verloren ging. Nun, ich nahm sein Angebot an und wurde erst Laufbursche und bald danach Assistentin, auch bekam ich eine gefälschte SIN um mich mit Kunden im Hotel über dem Forum treffen zu können den der Doc hatte dort seit einem zu hohen Alkoholgenuss Hausverbot. Schon bald kam ich in Kontakt u den Bloody Eyes, einer Motorradgang die den Doc hin und wieder mit Ersatzteilen für seine Patienten versorgte. Schnell war mein Plan gefasst der Gang beizutreten, denn sie verfügte über nicht zu unterschätzenden Einfluss in diesem Gebiet und meine Karriere konnte einen Sprung vertragen, schließlich wollte ich nicht für den Rest meiner Tage in der Praxis schlafen. Doch die Ganger wollten kein „kleines Mädchen“ in ihren Reihen und ich sollte mich erst beweisen: „Du hast ja noch nicht mal ein Motorrad!“ Auf die Frage wo ich mir denn eins besorgen sollte, erzählten sie mir von einem Mann namens Rattenzahn der als einsamer Cowboy die Straßen von Heißen sicherer machen wollte und so den Gangaktivitäten im Weg stand. Ich stellte mich also eines Nachts einfach auf die Straße und wartete. Als der Cowboy kam, rief ich Rabe um Hilfe an, die er mir gewährte. Auf meinem Rücken erschienen schwarze Flügel, Zeichen für den Schutz meine Totems. Mit aller Macht schleuderte ich dem Fahrer einen Betäubungsblitz entgegen, der ihn aus dem Sattel hob. Die Eyes, die mich beobachtet hatten stürzen sich auf den Gefallenen und ich kam so an ein Motorrad, einen Anwärterstatus und einen Spitznamen: Schattenschwinge.
Etwa einen Monat nach meiner Anerkennung sprach mich ein anderer Anwärter an. Sein Name war Ralph und er bot mir an mit in seine Wohnung zu ziehen. Nun eine mehr oder weniger eigene Bude war etwas was ich schon lange wollte und falls er irgendwas komisches versuchen würde, hatte ich immer noch das Keramikmesser das mir der Doc geschenkt hatte und Orkteile waren zu dem Zeitpunkt gerade groß in Mode.
Doch alles lief gut und wenige Wochen später wurde uns eine Art Prüfung angeboten um zu vollwertigen Mitgliedern aufzusteigen. Wir sollten ein Mitglied der Ultras, einer Gang die sich mit den Bloody Eyes angelegt hatte,ein Auge entwenden, um genau zu sein das rechte aus seinem Gesicht. Ich wollte schon ablehnen, schließlich wären wir zu zweit gegen eine ganze Gang gewesen, als mir Ralfs unglaubliche Wut auffiel: Die Augen fest auf das Bild der Zielperson gerichtet presste er zwischen den Zähnen hervor: „Das ist Peach’s Mörder!“, und schon hatten wir ein wahnwitziges Unterfangen am Hals…

Schattenschwinge

Der Moloch erbebt, Aufregung in Nordrhein-Ruhr Silrauko_leCauchemar