Der Moloch erbebt, Aufregung in Nordrhein-Ruhr

Freizeitspaß - Auf ein faires Spiel

Datum auf mysteriöse Art und Weise in Vergessenheit geraten

Ein neuer Tag, endlich, die Ukraine hing mir immer noch in den Knochen, als ich an dem Morgen, oder Mittag, von meinem Commlink geweckt wurde. Eine neue Nachricht – Zahlungseingang von 4000 Nuyen. Woher die wohl kamen? Das hätte mich eigentlich nicht stören sollen und es wäre besser gewesen hätte ich nie nachgesehen. Aber so erfuhr ich, was jeden der etwas auf seine Musik hält am Boden zerschmettern würde, meine Musik eingeordnet unter Rap, Hiphop, diese Perversion von aneinander gereihten banalen vulgären Worten? Gosh, der Tag hätte nicht schlimmer anfangen können. Die Gerichtsverhandlung war nichts gegen diese grässliche Nachricht. Um auf andere Gedanken zu kommen hieß es dann vor die Tür zu gehen, Nigel hatte immerhin seinen Ausgang nötig. Das war eben das Problem mit Schäferhunden, besonders den Jungen, sie hatten viel zu viel Energie, aber ehrlich gesagt war mir das nur recht. Ich kam aber nur bis zur Tür als ein … Gebilde vor mir stand. Nun, der Vorbau unter dem viel zu großen Shirt verriet die Weiblichkeit des Wesens, aber mal ehrlich, dieses Ding war eine Beleidigung für alles Weibliche auf der Welt. Die Hose in den Kniekehlen, hellblonde Haare, ein Ausschnitt fast bis zum Bauchnabel und es sprach mich an, in perfektem Hopperisch – mal ehrlich, ein paar Ansprüche hab ich dann doch. Das schrie nach einer Kehrtwende, die auch sofort folgte. Binnen Sekunden war ich zurück im Haus, hob Eric vom Boden auf und setzte mir die riesige Ratte auf die Schulter. Irgendwann würde er bis zu einem Meter groß werden, jetzt hatte er erst die normale Größe einer Ratte eingeholt, aber das würde sicherlich reichen. Mit nun beiden Tierchen verließ ich das Haus wieder, konnte mit ansehen wie die Frau schrill aufschrie und mit blanker Panik davon lief, während sich die Huskyratte unbeirrt der Morgenpflege widmete. Tja, so viel dazu. Diese banalen Ängste würde ich wohl nie verstehen.
Mein Morgen war also nicht unbedingt schön, es gab nur eine Lösung das zu ändern: Action. Möglichkeit A) ich könnte zu Samuel in die Kneipe, aber sein Pazifismus hätte mir sicherlich jede Sekunde des Tages vermiest, und außerdem könnte da noch immer Veronica bleiben. Zur Liebe meiner unteren Körperhälfte entschloss ich mich dann für eine andere Art von Sport und ich wusste auch genau, wer mir da helfen konnte. Abgesehen von allem möglichen illegalen Kram – mochten es nun Waffen oder Implantate sein – hatte mein Schmuggler auch immer einen guten Tipp parat, wenn es um Sport ging. Und das war fast noch mehr wert, als alle Waffen der Welt. Also wurde die Nummer im Commlink gesucht und Sekunden später hatte ich den orkischen Jamaikaner am Hörer. Auch wenn seine Formulierungsweise definitiv der größte Horror war, stand ich sie durch. Das Gespräch war hilfreich. ‚Was geht heute Abend in Sachen Sport?‘ es überraschte mich natürlich nicht, dass er Bescheid wusste. Eine Partie Gladiator stand an, ein netter Name für wundervolles Geprügel. Und wie der Zufall es wollte hatte Donnie sogar eine Teamlizenz zur Hand! Man konnte sich auf den Kerl eben wirklich verlassen. Die Regeln brauchte ich mir nicht erklären lassen, wieso auch? Die wichtige Information war eben nur, dass ich mindestens fünf Leute für mein Team benötigte, aber das sollte kein Problem sein. Zur Not hätte ich das Ganze im Alleingang erledigt – verlieren war keine Option, für mich kam eben nur der erste Platz in Frage. Aber wen sollte man dazu einladen? Glücklicherweise hing mir nicht nur der Abenteuerurlaub, sondern auch der Gedanke an meine Mitreisenden in den Knochen, es war also ziemlich leicht mich für ein Team zu entscheiden. Die begeisterte Reaktion des Orks machte eigentlich ziemlich deutlich, dass er einer Schlägerei nicht abgeneigt wäre, bei den anderen war ich mir allerdings weniger sicher. Egal! Eine Rund-sms würde es tun und wenn nicht genug zustimmten, dann würde ich eben auf die Straße gehen und Leute zwingen. Zu dumm, dass Donnie sein eigenes Team aufgezogen hatte, aber am Ende sollte sich das doch als Glücksfall herausstellen.
Erstaunlicherweise kam von jedem eine positive Rückmeldung. Ich würde also mit dem Team antreten, mit dem ich schon mehr oder weniger zu tun hatte. Eigentlich müsste das sogar ein Vorteil sein. Das einzige wirklich schade an der Sache war: Weder Polly noch Thinalya fanden Zeit zum Turnier vorbei zu kommen. Na ja, vielleicht war es besser so, wer wollte denn schon, dass so hübsche Wesen verletzt wurden?
Nachdem dies alles geklärt war hieß es zurück nach Hause und packen. Was nahm man alles zu so einem Turnier mit? – Ich erinnerte mich, dass Waffen, mit Elektroschockpotential, verboten waren, bedauerlich, meine Schockhandschuhe hatten bis jetzt gute Dienste geleistet. Ein weiterer Punkt auf der Regelliste war, dass man die Gegner nicht umbringen durfte. Nun, dass stimmte nicht genau. Man durfte sie durchaus umbringen, aber eine Randnotiz verriet, dass man dafür durchaus zu Lebenslänglich verurteilt werden konnte. Mal ehrlich; nach der ersten Gerichtsverhandlung brauchte ich keine zweite und Mord war nun wirklich nicht mein Job. Als Ersatz für meine Schockhandschuhe besorgte ich mir dann ein paar Hardlinergloves und zog diese schon einmal über. Immerhin startete das Turnier heute Abend, da lohnte es sich, alles was ich mitnehmen wollte, schon einmal zusammen zu suchen. Eigentlich schade, dass ich das Kusarigama wieder nicht zum Einsatz bringen würde, immerhin wurde das Spiel übertragen und es käme sicherlich nicht gut mit einer illegalen Waffe aufzutauchen. So fiel meine Wahl auf die Tonfa, das Katana und natürlich die neuen Hardliner Gloves. Da aber auch Munition gestellt wurde bot es sich an auch Schusswaffen mitzunehmen, da war die Auswahl nunmal eh etwas beschränkter. Mit ein paar Handgriffen fanden sich auch die Beretta und meine Spas – die bisher kaum zum Einsatz gekommen war – in meinem Handgepäck. Das wäre sicherlich die Gelegenheit sich endlich mal richtig auszutoben. Der Rest des Tages verging wie im Flug. Als ich an der Duisburgarena ankam traf ich mein ‚neues‘ Team: Balodil, Eight, Eahrina, Lady, Schattenschwinge und… ja . Ein noch recht fremdes Gesicht befand sich unter den anderen. Der Ork? Irgendetwas klingelte da. Achja! Der Abenteuerurlaub! Nun, solang er nicht im Weg stand sollte es mich nicht stören, dass er teilnehmen wollte. Einige Zeit später befanden wir uns im Umkleideraum und einer der Turnierhelfer erschien. Eine kurze Einweisung in die Regeln erfolgte und man händigte uns Waffen aus, die uns davor bewahren sollten, den Gegner hinzurichten. Dann kam die Frage auf, was denn mit dem alten Team, den echten „Lion Sharks“ passiert war. Tja, übel zugerichtet die Armen. Der Helfer erzählte uns, dass sie gegen Team Wald antraten und wohl noch immer im Krankenhaus lagen. Ironischerweise war Team Wald unser erster Gegner. Sollte mich das beunruhigen? – Wahrscheinlich waren die alten Teammitglieder einfach nur schwach! Also schloss ich mit dem Thema ab und wand mich der Munitionskiste zu.
Drei volle Ladungen Gelmunition fanden den Weg in meine Taschen, dann lud ich meine Waffen. Uns wurden grässliche orange Leibchen ausgeteilt, die zur Erkennung dienten. Dann öffnete sich bald das Tor, ließ uns in die Arena. Tausende von Leuten hatten den Weg hierher gefunden und jubelten uns zu! Das animierte geradezu das jubeln zu erwidern, also stellte ich mich hin und feuerte das Publikum an. Riesige Bildschirme zeigten uns, aufgenommen von Drohnen, die ums umschwirrten. Nach einigen Augenblicken klappten sich die Bildschirme in Richtung des Publikums, gut so, am Ende hätte das noch unsere Standpunkt verraten! Eine kurze Diskussion folgte, was nun zu tun war, zusammenbleiben war das Ergebnis und Eight latschte kurzerhand voraus, forderte Schattenschwinge auf ihm zu folgen. Ein merkwürdiges Bild, vor Schattenschwinge verschwand der Ork regelrecht. Aber ich war nicht hier um mich über so etwas zu amüsieren. Die Beretta im Anschlag folgte ich, als wir uns auf den Weg Richtung Bahnhofsgebäude machten.
Den Weg über blieb es beunruhigend ruhig, andererseits… wir traten gegen Trolle an, ich bezweifelte stark, dass Trolle leise sein konnten, also sollte die Ruhe eigentlich ein gutes Zeichen sein! Wir brauchten nicht lang, um das Gebäude zu erreichen, Balodil trat als erstes ein und wir anderen folgten, blieben in der Nähe des Eingangs, aber waren doch schon ein gutes Stück in das Gebäude hinein getreten. Während Balodil sich in einen Laden verkroch, ging unser Hippie-Ork ebenfalls seinen eigenen Weg – was genau er machte, kümmerte mich nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn einer von uns auf den Hippie geachtet hätte. Denn nur kurze Zeit nachdem er sich von uns entfernt hatte bebte der Boden. Ein, zwei, drei – ganze VIER Trolle tauchten auf. Ein lautes Krachen untermalte ihren Auftritt und ein Blick zeigte mir: Der Hippie ging zu Boden, hatte eine volle Breitseite abbekommen. Tja, das war wohl ein kurzes Vergnügen für den gewesen, kein Wunder, dass die Banditen ihn so einfach hatten einfangen können. Als nächstes folgte ein Blick auf die Trolle, die beiden vor mir hatten Arme wie Baumstämme – das war doch nicht normal! Ein Blick umher verriet mir, dass sich einer der anderen beiden auf einer Brüstung am anderen Ende der Halle befand, der letzte hatte sich wohl mit Balodil angelegt. Um den brauchten wir uns also wahrscheinlich keine Sorgen machen. Was auch immer der Hippie am Eingang gemacht hatte, die Trolle mussten es ganz schön auf ihn abgesehen haben, obwohl er schon auf dem Boden lag, und offensichtlich nicht so schnell wieder aufstehen würde, setzte einer der beiden Gegner noch einen drauf. Tja, dass wars dann wohl für unseren sechsten Mann. Der Grund für dieses Verhalten wurde uns dann auch Augenblicke ins Gesicht geschrien. Nun gut, der Unmut war nach zu vollziehen, aber woher hätten wir denn wissen sollen, dass dieser Vollidiot echten Sprengstoff mit in die Arena nahm und ihn dann auch noch einsetzen wollte?! Was auch immer der Ork genommen hatte, seinem Hirn war das wohl nicht gut bekommen. Zwischendurch folgte dann eine Durchsage. Donnies Team hatte es erwischt! Am liebsten hätte ich ihm das gleich unter die Nase gerieben, tja, wer hatte nun länger durchgehalten? Aber dafür war nun keine Zeit, denn um einen Kampf ging nun nichts mehr herum. Die Sicherheit nur Gelmunition in dem Magazin zu haben ließ mich bedenkenlos auf den Gegner schießen, allerdings schien er die Kugel geradezu zu schlucken, war völlig unbeeindruckt. Also hieß es Waffe wechseln, noch bevor ich aber die Shotgun ansetzen konnte, gingen alle beiden zu Boden – das war beeindruckend schnell gewesen, und überhaupt, woher kamen die Schüsse, die die Trolle versenkt hatten? Ein Blick zur Brüstung und es folgte die Erkenntnis, dass das eigene Teammitglied auf sie geschossen hatte. Nun gut, die Aussage des Gegners hätte vielleicht auch gereicht, um das zu merken. Warum auch immer er das tat, für Dank war keine Zeit, Gegner blieb Gegner, ob sie sich nun selbst dezimierten, oder nicht, war gleich. Dennoch war die Bilanz bitter, es hatte den Ork erwischt und der Elf stand nur noch mehr schlecht als recht. Ein Beben im Boden lies außerdem vermuten, dass es auch unseren Troll erwischt hatte. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen den Gegner zu erledigen, der Balodil erledigt hatte, aber Eight mischte sich ein. Das war also sein Gegner? Na meinetwegen, sollte er doch seinen Spaß haben, dann würde ich mich halt um den Schützen kümmern. Zielen, laden, schießen und… er schluckte den Schuss. Na gut, dann eben ein zweiter Versuch und siehe da, der schien genau ins Schwarze zu treffen! Ein Schlag von Schattenschwinge ließ dann auch diesen Troll endgültig zu Boden gehen. Blieb also nur noch einer. Wie Eight sich wohl schlug? Ein Blick zur Seite reichte, um noch einen Moonwalk zu sehen, der mit einem herzhaften Schlag ins Gesicht endete. Da hatte sich wohl wer zu früh gefreut. Dann war es allerdings auch schnell vorbei, ein weiterer Schlag und auch der letzte Gegner war am Boden. Wir hatten gewonnen! Dann erfuhren wir, dass das Gladiator Spiel sogar nur eine Runde ging, wir hatten also wirklich den ersten Platz gemacht und einen Teil eines Erstligateams platt gemacht. Sowas hörte man doch gern, zumal ein Angebot in den höheren Ligen mit zu spielen auch ziemlich interessant war – ganz zu schweigen von dem Preisgeld. Es wurden sogar Sonderpreise verliehen! Ein Trostpflaster für den ersten, der KO ging, ein Preis fürs verzaubern, ich bekam einen für meinen Distanzschuss auf den Troll, Eight für seinen Moonwalk. Sogar Lady bekam einen Preis dafür, sogar noch auf den Beinen zu stehen – irgendwie. Damit war das Turnier wohl zu Ende, nun ging es nur noch ans feiern.

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Konzert mit Beigeschmack

5.11.2075

gepostet von Eight

Diesmal war es nicht der Wecker, der mich nach einer mal wieder viel zu langen Freitagnacht aus einer viel zu kurzen Schlafphase riss. Nein, es war das monotone Bollern gegen meine Tür, was an einem Samstagmorgen erfahrungsgemäß nichts Gutes heißt. Nachdem ich wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten Gliedmaßen wiedererlangt hatte, raffte ich mich auf und schob den Vorhang zur Seite. Schattenschwinge schlief natürlich noch. Oder sie tat zumindest so als ob. War ja mal wieder klar, na toll! Also muss ich bis zur Tür. Dort angekommen, öffnete ich sie und ja, meine Vorahnung hatte mich nicht getäuscht, Ärger marschierte durch die Tür: Giovanni de Lorenzo spazierte hinein, dicht gefolgt von einem seiner Leibwächter, mit denen man sich besser nicht anlegten sollte – selbst mir war das klar. Natürlich kam er gleich zur Sache und wies mich auf noch ausstehende finanzielle Mittel hin, und dass er eine Möglichkeit sähe, diese wenigstens Teilweise zu begleichen. Ich sollte ihm Leber, Herz, Lunge und die Milz der Leadgitarristin der Band „7“ besorgen, die heute Abend ein Konzert in Köln spielen sollte, kein Plan, was er damit anfangen wollte. Wollte ich aber auch irgendwie gar nicht wissen, also fragte ich auch nicht weiter. Schrieb nur eben die wichtigsten Eckdaten, die er mir nannte auf eine alte, bereits von Fettflecken zersetzte Bestellkarte von „ Enzos Pizza-Pasta-Palast“. Lorenzo verschwand genauso schnell wieder wie er gekommen war.
Schattenschwinge wahrscheinlich vom Lärm aufgewacht, schaute mich fragend an
„Gibt Arbeit für uns, Lorenzo will ein paar bestimmte Organe haben“ gab ich als Antwort zurück und nahm den Instantkaffee aus dem oberen Regal um endlich meinen Frühstückskaffe auf zusetzten. „Willst du auch welchen? Schattenschwinge?“
„Nein, Wieso hast du den überhaupt gekauft, du weißt doch, dass ich gegen Krill allergisch bin!“ „Ach verdammt, irgendwie wird ich mich da wohl nie dran gewöhnen – und außerdem schmeckt dieser hier viel besser als dieses Sojazeugs!“
Um mich über die neusten nennenswerten Geschehnisse in Kenntnis zu setzen, nahm ich mir meine Sonnenbrille mit integrierter Bildverbindung, die AR-Matrix-Handschuhe und startete meinen Sony Emperor. Über die Lesezeichenfunktion gelang ich schnell auf bild.de, überflog den Titel und scrollte schnell zur unteren Hälfte von Seite 1: geballte nackte Haut baute sich vor mir auf, das müsste bestimmt doppel H gewesen sein. Aber nicht sonderlich angenehm anzuschauen. Die restlichen Meldungen des Tages waren auch nicht von sonderlich großer Bedeutung, was mich allerdings dann doch ein bisschen mitnahm, war ein kleiner Bericht über eine Polizei Aktion, bei der ein Kampfhundering hoch genommen wurde: 120 Tote Köter. Diese Schweine!
Ich wechselte zu Google und suchte noch ein paar Informationen über Jennifer Roth, diese „Wanna Be“ Gitarristin mit den überflüssigen Organen. Anscheinend war „7“ so eine daher gelaufene Punk-Rock-Ska-Tralala Band, die wohl im Laufe der Zeit an Fans hinzugewonnen hatte und jetzt „weltberühmt“ sei. Nach ein paar Klicks hatte ich ein paar ganz ansehnliche Bilder von Jennifer gefunden, mit denen man ihre anatomischen Formen recht gut abschätzen konnte. Jammerschade. Die war echt hübsch, nur leider besaß sie was, was ich brauchte – ihre Organe!
Ich nahm die Brille ab und reichte sie Schattenschwinge, die gerade damit beschäftigt war, die Raben vor unserem Fenster mit unseren Lebensmitteln zu füttern. Kopfschüttelnd sah ich sie an „Immer dasselbe… gib denen doch wenigstens was abgelaufenes, dann werden es wenigstens weniger. Aber Lorenzo`s Geschichte könnte noch interessant werden. Hier guck dir mal diese Jennifer an, die sieht gar nicht mal so schlecht aus, aber wenn wir uns holen was wir brauchen… -“
„Dann brauch sie ihre anderen Organe auch nicht mehr, schon verstanden!“ , beendete Schattenschwinge meinen Satz und nahm die Brille entgegen. Plötzlich war von draußen ein lautes Knattern zu hören und eine Motorradgang fuhr direkt an unserem Fenster vorbei. Nach einem Augenblick der Besinnung kam ich zu dem Schluss: Das waren nicht unsere. Also schnell mal eben die AK durchladen. Vielleicht hat man ja Glück und sie kommen zurück. Scheiß „Wanna Be“ Biker.
Nach ein paar Minuten Ruhe und einer weiteren Tasse Krill-Kaffee störte ein zweites Motorrad mein Frühstück. Nach einem Blick aus dem Fenster vergewisserte ich mich, ob sie doch so doof gewesen sind und zurück kommen würden. Doch ich sah nur noch ein Rennmotorrad die Straße hinauf rasen.
Schließlich kamen Schattenschwinge und ich zu dem Schluss, dass es mal wieder an der Zeit sei unsere Bikes rauszuholen und sich den Wind um die Ohren sausen zu lassen. Geschwind warf ich mich in meine Panzerjacke und die Lederkutte mit unserem Gangemblem, nahm die Roomsweeper und die Ares Predator von der Wand und suchte noch schnell zwei Ladestreifen aus den Munitionskisten in der Ecke verstaute alles in den Satteltaschen meiner Harley, beim Verlassen des Hauses griff ich routinemäßig noch zu meinem Schlagring und steckte ihn mir in die Westentasche. Selbstverständlich war der Tank mal wieder leer und der erste Weg führte Schattenschwinge und mich demnach zur Tankstelle um die Ecke. Als wir von dort wieder runterfahren wollten, drängte uns ein BVB-Fanbus zur Seite hin ab. Da man von innen Gelächter über uns hören konnte, der Tag bereits scheiße genug verlaufen war und die Straße bis auf einen gemächlich dahin schleichenden Sattelzug frei war, beschloss ich mich ein wenig Spaß zu haben und fingerte mit einer Hand meine Predator aus der Satteltasche konzentrierte mich ein wenig und schoss auf den Vorderreifen des Busses. Daraufhin machte dieser plötzlich einen Schlenker zur Seite, fing sich aber relativ schnell wieder. Da sich der Reifen von selbst wieder flickte und aufpumpte. Verdammte Smartreifen… Aber wenigstens hatten die Leute im Bus die Hosen voll, der beschleunigte nämlich daraufhin und fuhr die nächste Abfahrt runter. Und bevor die Bullen auftauchen konnten verließen wir die Autobahn auch und kurvten ein bisschen in der Landschaft rum um unsere Spuren zu verwischen und natürlich auch die Aussicht zu genießen.
Nach einer Weile kamen konnten wir am Rheinufer eine Gruppe von den „Banditos“ ausmachen. Die hatten einen Sattelzug angehalten und waren damit gerade beschäftigt dessen Fahrer mit billigem Bier abzufüllen. Als wir vorbei fuhren, dachte ich elfische Züge bei dem Trucker erkennen zu können. Ich mein ich kann die „Banditos“ nicht sonderlich leiden, aber an dieser Stelle hatten sie echt Sinn für Humor… einen Elfischen-Trucker abzufüllen, der allem Anschein nach das Bier nicht vertrug, traf an dieser Stelle echt meinen Geschmack.
Ehe wir uns versahen führten uns unsere Bikes an dem Ortseingangschild von Köln vorbei, ohne dass wir die Absicht hatten dort hinzugelangen. Doch als wir Richtung Innenstadt fuhren kam mir der Gedanke, dass wir ja doch vielleicht mal am Domplatz vorbeifahren könnten um einen Blick auf das Konzert zu werfen. Als wir auf den Domplatz fuhren, fiel mir auf den ersten Blick eine ältere Zwergenfrau auf, dir mit einem „Jesus rettet“ Schild die Straßen auf und ab fuhr. Ich dachte mir, dass dieser Tag schon fast wieder gelungen werden könnte, erst der olle BVB Bus, dann der besoffene Elf und nun auch noch dieser Däumling mit einem solchen lächerlichen Schild!
Also Zack, Motorrad in Richtung Zwergin gelenkt und ein paar Runden um sie gedreht. Was für lächerliche Flüche sie uns zugerufen hat, die würd bei uns im Viertel keine 2 Stunden überleben! Als sie so richtig auf 180 war, verlangte sie ja quasi schon von mir, dass ich absteige und mir ihr Schild mal genauer ansehe. Und das tat ich auch. Nach ein paar Handgriffen war von dem Schild nicht mehr allzu viel übrig. Eigentlich nur Schade, dass die ollen Bullen das Ganze nicht genauso lustig fanden wie Schattenschwinge und ich. Naja, bevor die uns noch den Tag versauen konnten, schnell wieder auf die Räder und weiter die Straße runter.
Am Konzertgelände angekommen sahen wir den Ticketstand bereits von weitem. Als wir ihn näher in Augenschein nahmen, sahen wir noch 2 frei Tickets für 90 Nuyen und vier Leute vor uns in der Schlange – nicht dass das ein Problem gewesen wäre, aber ein Blick zu Schattenschwinge verriet mir: „Das ist den Ärger nicht wert! WIR kommen da auch anders rein“.
Die Anzeige wechselte auf ausverkauft und die letzten beiden Glücklichen gingen rasch zu den Ordnern, die sie nach Waffen, Getränken und Drogen durchsuchten. Die andern beiden vor uns beschwerten sich lautstark. Es sei doch eine Unverschämtheit, sie hätten so lange angestanden und jetzt das hier! Ich dachte mir nur: Fangt doch an zu weinen. Schob mich mit einer Armbewegung an ihnen vorbei, als ich eine Person in einer naheliegenden Unterführung sah, die mir ein dezentes Handzeichen gab zu ihr zu kommen.
„Hey brauchst du noch ein paar Tickets? Ich hab hier noch zwei und die sind auch echt günstig!“
„Was willste denn dafür?“
„Nur 150 Nuyen!“
„Für beide?“
„Nein, natürlich nicht. Pro Stück versteht sich!“
Ich tat für einen Moment so, als würde ich mir das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Schaute mir aber in der Zeit seine Aura im Astralraum an. Ha keine Cyberware! Und wahrscheinlich auch nicht erwacht! Und der will wirklich 150 Nuyen für so`n Ticket – Na der hat Mut.
„Was sagtest du noch mal was du für das Ticket haben willst?
„150“
„Hast du grad 15 gesagt? Für Beide?“
„Hä? Nein, wie kommst du denn darauf? Ich bleib bei -“
Ich musste mich nicht mal sonderlich anstrengen, ein kräftiger Schlag auf einen empfindlichen Nervenpunkt und der Dealer sackte noch ehe er den Satz beenden konnte in sich zusammen. Ein Blick in eine Jackentasche offenbarte zwei VIP-Backstagepässe und bingo! ein paar Credsticks mit kleineren Beträgen, wahrscheinlich die Tageseinnahmen. Ich überschlug die Summe einmal im Kopf und gab Schattenschwinge eine Hälfte ab. Hatte sich der Ausflug doch noch gelohnt. Immerhin hab ich jetzt wieder ein bisschen Geld in der Tasche, ach ja und die Karten und ach ja, die Chance auf noch viel mehr Geld! „Los Schattenschwinge, Wir gehen uns die Band ansehen…“ Wedelte mit den Backstagepässen und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Die Ordner ließen uns ohne große Anstände rein und führten uns zu unseren Plätzen. Passenderweise waren die direkt auf der Bühne neben der Band, viel besser hätte es fast nicht sein können. Der Rest war jetzt nur noch ein Kinderspiel. Der Plan schnell gefasst. Wenn das Konzert zu Ende war, einfach hinter der Band her, gibt dann ja meistens noch `ne Party oder so. Und dann einfach nehmen was man brauch und ab nach Hause. Der Rest ist Docs Aufgabe meine Talente liegen woanders. Noch war allerdings die Vorband auf der Bühne – irgend so ein Hobbymetaler , der wohl Spaß daran fand, nicht nur seinen Keller zu quälen. Als der endlich weg war und die Umbaumaßnahmen auf der Bühne endlich abgeschlossen waren, fand sich auch „7“ auf der Bühne ein. Sie stellten sich uns sogar alle persönlich vor, als Jennifer mir die Hand reichte, brachte ich nicht mehr als ein schiefes Lächeln über die Lippen – sie war bezaubernd, echt hinreißend, aber als ich in ihre Augen blickte, sah ich dennoch nur die Ziffern auf meinem Credstick rotieren. Die Musik war – naja hörbar und Jennifer spielte auch nicht unbedingt schlecht. Uns wurde sogar richtig echter gratis Saft und Kaffe aus gemahlenen Kaffebohnen angeboten. Doch Job ist Job! Und die kleine, die sich auf der Bühne mit Met zuschüttete musste wohl oder übel mit. Nachdem die Band der Meinung war eine Pause einzulegen – die Fans waren definitiv anderer, verschwanden sie in einem Gang zwischen den Vorhängen der Bühne. Schattenschwinge und ich folgten nach ein paar Minuten (der Saft war echt gut!) mit der Absicht uns die Gegend ein bisschen anzuschauen und evtl. einen passenden Ort für die Flucht zu finden. Doch soweit kam es gar nicht erst. Irgend so ein totaler voll Horst muss es wohl lustig gefunden haben Schattenschwinge und mich auf der Bühne mit Betäubungsmunition auszuschalten. Wenn ich den in die Finger kriegen sollte… Nun auf der Bühne sah ich nur noch wie sich der Boden meinem Kopf näherte und Schattenschwinge einen Moment später auf meinen Beinen landete.
Den Rest hat mir der Arzt im Krankenhaus erzählt. Oder habe ich mir aus den Fakten selber zusammengereimt. Lorenzo kam mich auch nochmal besuchen, brachte aber keine Blumen mit sondern mal wieder nur Ärger. Er erzählte mir, dass sich sein Auftraggeber die Sache mit den Organen doch noch mal anders überlegt habe und ich doch trotzdem voll auf die Fresse gefallen sei. Er erließ mir auch noch 500 Nuyen und ich händigte ihm die Credsticks des Dealers aus, auf dass ich seine Visage nicht mehr so schnell wiedersehen hoffte. Das einzig Gute an der Sache war, dass es im Krankenhaus wenigstens echten Kaffee gab. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie viele Tassen ich getrunken hatte, mir war nur furchtbar schlecht…

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